Zwei Jahre Auslandsjob. Wunderbar. Man geht mit vielen Erwartungen und leichtem Gepäck und kehrt zurück mit Sack und Pack, der Rucksack voll mit handfesten Souvenirs, menschlichen Erfahrungen und tausenden Erinnerungen. Ach, was haben wir erlebt, die Fotos kriegen wir über Jahre nicht sortiert! Kaum in Deutschland aus dem Flugzeug raus, verliert der Rucksack jedoch an Gewicht, Argentinien scheint plötzlich so weit weg, nicht nur geographisch. Jetlag? Migräne? Liegt es an der Höhe, dem Luftdruck, der Klimaumstellung? Das zarte Rindfleisch verdunstet zum Wunschtraum, die argentinischen Naturschönheiten verschwinden im niederrheinischen Dauergrau, das letzte asado ewig her. Wie lange waren wir weg, wo waren wir grad eben noch? Kann doch nicht sein, die ganzen zwei Jahre schmelzen zu einem Klumpen verschwommener Erinnerungen zusammen, kaum klebriger als der letzte Urlaub, der vom Alltag gefressen wurde.
Zwei Jahre ist, je nach Perspektive, keine lange Zeit, vielleicht hätten wir länger bleiben müssen, sechs Jahre wären möglich gewesen…, wenn Frau Sommer die Altersgrenze zur Anstellung von Lehrern (sprich Verbeamtung) in NRW endlich mal über 35 Jahre erhöhen würde. Dann könnte man übrigens auch die Abwanderung der Lehrer (WDR.de) in andere Bundesländer und die aggressive Abwerbung durch andere Bundesländer verhindern. Lieb gewonnene Freunde wie in Argentinien, die uns nachts um Zwei (!) mit Haus und Hof zum Flughafen gebracht haben, stehen natürlich auch zum Empfang in Deutschland bereit, sie haben sich kaum verändert, sind die alten Freunde geblieben. Facebook, Mail und Skype machen’s heutzutage möglich, dass wir uns gleich wieder vertraut fühlen, sowieso hat sich kaum was verändert. Die Erde grün, der Himmel grau, bei der Passkontrolle füllen wir keine Formulare aus und kriegen nicht mal einen Stempel - zwischen Argentinien und Chile gab’s derer gleich vier. Autobahn gleich, Aldi gleich, Alles gleich.
Bei der Begrüßung merken wir’s dann doch. Der eine weiß nicht, ob er ein Begrüßungsküsschen wagen soll, der andere hat sich schon entschieden, weiß aber nicht, welche Seite zuerst. Da wollen sogar manche die Mischung aus Handgeben mit der Rechten und Umarmung mit der Linken… also deutscher geht’s ja gar nicht: gewollt und nicht gekonnt. Dabei war es doch so einfach, ein beso immer auf die rechte Wange, Frauen immer untereinander und mit Männern, Männer unter sich erst nach dem Kennenlernen. Eine gute Sache, sehr herzlich und schon nach kurzer Zeit automatisiert. Kaum zuhause, hilft der mitgebrachte mate, sich an die vertrauten Rituale zu erinnern. Der schmeckt hier keinen Freunden, nicht mal Grünen-Tee-Trinkern, weil er so furchtbar bitter sei, viele probieren erst gar nicht. Und das Rindfleisch ist auch beim besten Fleischer nur halb so gut, und Grillen können die hier ja gar nicht. Und dann hab’ ich mich auch gefragt, ob das Land schon immer so voll war, überall voller Menschen und selbst auf dem Land fahren überall Autos rum… Vielleicht ist ja doch mehr geblieben, im Rucksack, als ich dachte.
Als Reaktion auf die Ereignisse um den “Aktionstag gegen Antisemitismus und Diskriminierung” (siehe Post: Antisemitismus heute) habe ich dem Schulvorstand einen Offenen Brief geschrieben, der bis heute unbeantwortet ist. Allerdings bekam ich kurz darauf einen anonymen Brief mit faschistischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten aus Bariloche zugeschickt…
An die
Comisión Directiva de la Asociación Cultural Germano-Argentino de Bariloche
Deutsche Schule Bariloche, Ángel Gallardo 40, 8400 San Carlos de Bariloche, Argentinien
Sehr geehrte Mitglieder der Comisión Directiva,
die Deutsche Schule Bariloche kämpft über 14 Jahre nach der Verhaftung und Verurteilung von Erich Priebke immer noch mit dem Image einer Nazi-Schule. Dieses Image ist sicher nicht nur auf Priebke zurück zu führen, denn es ist weithin bekannt, dass die Stadt San Carlos de Bariloche in der Nachkriegszeit vielen Nazis und Kriegsverbrechern als Unterschlupf diente. In der öffentlichen Darstellung werden die Deutsche Gemeinschaft und die Deutsche Schule daher gerne gemeinsam beschrieben als eine Gruppierung von ehemaligen Nazis, Kriegsverbrechern und nicht zuletzt vielen Sympathisanten der nationalsozialistischen Ideologie. Auf Internetseiten wird die Schule als „rechtsextrem“ oder „nationalsozialistisch“ charakterisiert, in der Online-Enzyklopädie Wikipedia war im Artikel zu Erich Priebke zu lesen, dass er „Leiter der zum Rechtsextremismus tendierenden Deutschen Schule“ gewesen sei, ich habe dies geändert. Schüler verschiedener Klassen fragten mich, ob ich wüsste, wie in Bariloche über die Schule gesprochen wird, einige erzählten, dass sie bei Schulsportveranstaltungen als „Schüler aus der Nazi-Schule“ beschimpft wurden. Auf meinen Vorschlag hin, eine Arbeitsgruppe zum Thema Holocaust zu machen, fragten mich meine Schüler: „¿Y te dejan?“, gemeint war die Schulleitung. Glücklicherweise konnte ich keinerlei schädliche Einflüsse auf den alltäglichen Schulbetrieb feststellen.
Alle diese Hinweise auf das Image der Deutschen Schule in Bariloche geben Anlass zur Sorge und sollten für die Schulleitung und den Schulvorstand eigentlich Signale sein, eine aktive Auseinandersetzung mit dem belastenden Vergangenheit und der Darstellung der Schule in der Öffentlichkeit zu suchen. Stattdessen spiegeln Aussagen der Schulleitung wie „Das Thema Holocaust ist doch eher was für die Israelische Gemeinschaft.“ oder Aussagen aus dem Vorstand wie „In Dresden gab es auch Holocaust, in Hiroshima auch und in Nagasaki…“ Haltungen wider, die entweder als bewusst geschichtsrevisionistisch oder als töricht angesehen werden müssen.
Ebenso wenig kann ich das Verhalten der Schulleitung und des Vorstandes im Zusammenhang mit der staatlich organisierten Filmvorführung „Mujeres de la Shoá“ für Schulen am Aktionstag gegen Antisemitismus und Diskriminierung verstehen. Eine Deutsche Schule muss sich bei einer solchen Veranstaltung unbedingt engagieren, und dass die Schulleitung der einzigen Deutschen Schule vor Ort deswegen als einzige zum Vorbereitungstreffen der Arbeitsgruppe eingeladen wird, ist aus deutscher Sicht ebenso selbstverständlich wie die erwartete Teilnahme der Deutschen Schule. Vier Wochen Vorbereitungszeit reichen bei Weitem aus, um die Schülerinnen und Schüler pädagogisch vorzubereiten und eine Teilnahme an der Filmvorführung zu organisieren. Das Filmmaterial und das vom Holocaust-Museum Buenos Aires konzipierte didaktische Material zu kritisieren und sich als Deutsche Schule durch die allseits erwartete Teilnahme gar selbst diskriminiert zu fühlen, wirkt dem eingangs beschriebenen Image nicht entgegen, sondern manifestiert es dadurch umso mehr. Der deutsche Botschaftsreferent Herr Freigang dementiert ausdrücklich die Aussage der Subcomisión Educativa, dass mit ihm als Vertreter des Botschafters eine Einigung darüber erzielt worden sei, nicht mit Schülern an der Veranstaltung teilzunehmen.
Nicht nur durch die Haltung in dieser Sache drängt sich mir der Eindruck auf, dass eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust von Seiten der Schule nicht gewünscht ist. Eine öffentliche Demonstration und eine eindeutige Haltung der Schule gegen antisemitische Parolen und nationalsozialistische Ideen ist jedenfalls in den zwei Jahren meiner Tätigkeit nicht geschehen, eine öffentliche Distanzierung von dem verurteilten und unreuigen Kriegsverbrecher Erich Priebke ist mir nicht bekannt. Eine einzige schulöffentliche Filmvorführung des Dokumentarfilms „Pacto del Silencio“ im Jahr 2006 kann nicht fortwährend als Ausrede dafür vorgebracht werden, dass man sich ja mit dem Thema auseinander gesetzt habe.
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, speziell mit Nationalsozialismus und Holocaust, ist niemals zu Ende, wie es Mitglieder der Schulleitung und des Vorstandes gerne einfordern. Natürlich gibt es immer Leute, die anders denken, aber gerade einer Deutschen Schule kommt in diesem Punkt eine besondere Verantwortung zu. Dies ist meine Meinung als deutscher Staatsbürger, als deutscher Lehrer und besonders als Lehrer an der Deutschen Schule Bariloche mit ihrer nicht unproblematischen Vergangenheit in einer Stadt, die bekanntermaßen Zufluchtsort für ehemalige Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten ist. Antisemitismus, insbesondere sekundärer Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sind auch heute noch aktuelle Themen in Deutschland und in Argentinien, und jeder Deutsche steht daher in der besonderen Verantwortung, die Erinnerung zu bewahren, den Dialog zu suchen und seine Stimme zu erheben gegen jede Form der Diskriminierung, der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus. Eine Institution wie die Deutsche Schule ist von dieser Verantwortung nicht ausgenommen, im Gegenteil.
In dem Deutschland, aus dem ich vor zwei Jahren nach Argentinien ausgereist bin, ist der Holocaust immer ein Thema. Gerade in einer Zeit, in der es immer weniger Überlebende und Augenzeugen des schrecklichen Krieges gibt, ist man in Deutschland um so bemühter, die Erinnerungen an den Holocaust für die nachkommenden Generationen festzuhalten, damit so etwas niemals zur Wiederholung kommt. Nicht nur in den schulischen Lehrplänen ist das Thema fortwährend präsent, sondern es zeigt sich auf unterschiedlichste Art und Weise im Leben eines jeden deutschen Staatsbürgers, ob in der Zeitung, im Fernsehen, im Kino, im Museum oder im Internet. Der Holocaust ist in Deutschland spätestens seit den 1960er Jahren durch Schriftsteller wie Böll, Enzensberger oder Borchert ein öffentliches Thema, über das immer gesprochen und geschrieben wird. Bundespräsident Horst Köhler sagte unlängst in der Knesset:
„Wir müssen die politische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemiten suchen, und wir müssen sie offensiv führen, und wir werden das auch tun. Dabei müssen wir uns vor allem fragen, ob wir unsere jungen Menschen wirklich erreichen, ob Lehrer, Eltern und Journalisten über den Irrweg des Nationalsozialismus wirksam aufklären. Den Kampf gegen den Antisemitismus müssen wir immer wieder neu führen. Er geht uns alle an. (…) Ich kann Ihnen berichten, daß gerade auch Schüler hier in Deutschland aktiv sind. Sie führen Interviews mit den letzten Zeitzeugen und erforschen die Geschichte ihrer Nachbarschaft, um den Spuren der Shoa nachzugehen.“
Der Holocaust ist so sehr im deutschen Bewusstsein verankert, dass die Menschen sensibilisiert sind und sich aktiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Warum fällt genau das einer Schule, die zwar weit von Deutschland entfernt ist, die aber eine Deutsche Schule ist, so schwer?
Ich appelliere daher an die Mitglieder des Schulvorstandes, die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu fördern und dauerhaft aufrecht zu erhalten und den Dialog mit Menschen und Institutionen zu suchen, die bei dieser Arbeit nicht nur helfen wollen, sondern ihre Unterstützung geradezu anbieten. Die Deutsche Botschaft Buenos Aires hat der Israelischen Gemeinschaft in Bariloche zum Yom Kippur gratuliert, wann hat die Deutsche Gemeinschaft zuletzt gratuliert oder den Kontakt gesucht? Es gibt im Umfeld der Schule viele interessierte, offene und hilfsbereite Menschen, die ebenfalls nur das Beste für die Deutsche Schule Bariloche wollen. Diese innovativen Kräfte sollten gebündelt werden, um die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule auf ihre Zukunft in einer demokratischen, globalen, toleranten und mannigfaltigen Welt vorzubereiten.
Mit den besten Wünschen für die Zukunft möchte ich den Brief mit weiteren Worten des Bundespräsidenten Köhler schließen:
„Wir haben die Verantwortung, die Erinnerung an all dieses Leid und an seine Ursachen wach zu halten, und wir müssen dafür sorgen, dass es nie wieder dazu kommt. Es gibt keinen Schlussstrich.“
gez. Marc Seegers
Bundesprogrammlehrkraft
Deutsche Schule Bariloche
Einen sehr guten Überblick zur Portfolio-Methode gibt es bei Reinhard Donath: Grundlagen, Beispiele aus seiner eigenen Erfahrung im Englisch-Unterricht, Beispiele für DaF aus Finnland und jede Menge Links (dort auch zum Europäischen Sprachenportfolio). Eine tolle Selbstlern-Methode für methoden-erfahrene Lerngruppen!! Als Medium kann man auch gut einen Blog einsetzen! Allerdings sehe ich Schwierigkeiten, Portfolio in meinen jetzigen Lerngruppen einzusetzen, da den Schülern zu viele Fertigkeiten fehlen (sprachlich, methodisch, disziplinarisch), es bräuchte viel zu viele Wochen, um Portfolio-Arbeit einzuführen, bevor die Schüler inhaltlich arbeiten könnten… mal ganz abegesehen davon stehen die Computer gar nicht oft genug zur Verfügung. Also, eher was für Oberstufenkurse wenn ich wieder in Deutschland bin.
Linktipp: Überblick bei Reinhard Donath http://www.englisch.schule.de/portfolio.htm#konkret
“Aktionstag gegen Antisemitismus und Diskriminierung” von INADI und Museo del Holocausto
Bariloche. Der Saal der Bibliothek Sarmiento in San Carlos de Bariloche, gleich neben dem Centro Cívico, fasst 140 Plätze. An diesem Abend des 23. September drängen rund 200 Menschen auf Einlass, sie füllen die Gänge, setzen sich auf den Boden und drücken sich in jede Nische. Graciela Nabel de Jinich, Direktorin des Museo del Holocausto in Buenos Aires, ist hoch erfreut über den großen Zuspruch, aber nicht nur an diesem Abend, sondern auch und ganz besonders freut sie sich über die Teilnahme der vielen Schülerinnen und Schüler an den beiden Vorführungen im örtlichen Kino, sagt sie den versammelten Gästen. Mit eindringlichen Worten begrüßt sie die Anwesenden, die ebenso wie alle Menschen auf der Welt dazu verpflichtet seien, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten. Das Grauen jener Zeit dürfe nicht in Vergessenheit geraten, mahnt sie, es dürfe weder geleugnet noch marginalisiert werden.
Anlass ihres Besuchs in Bariloche ist die landesweite Vorführung des Dokumentarfilms “Mujeres de la Shoá” am “Tag gegen Antisemitismus und Diskriminierung”, der gemeinsam organisiert wurde vom INADI in Río Negro (Staatliches Institut gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus), der israelischen Gemeinschaft, der Universidad Nacional de Comahue, der Stadtverwaltung Bariloche und der Ökumenischen Forum der deutschen Gemeinschaft. Der Film stellt ein ergreifendes Dokument der Zeitgeschichte dar, das an der Universidad Nacional de la Matanza entstand. Sechs Frauen, die den Holocaust überlebten und heute in Argentinien leben, erzählen darin von ihrem Schicksal zurzeit des Nationalsozialismus in Deutschland, erzählen von ihren Erinnerungen, Erinnerungen an die Diktatur, die Judenverfolgung, die Einsperrung in Ghettos, die Arbeitslager und die Massenvernichtungen, und sie erzählen von ihren ganz persönlichen Gefühlen und Verletzungen, die diese Zeit hinterlassen hat, in der die meisten von ihnen ihre Familie verloren haben, aus der sie befreit wurden, ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte. Als die Russen das Lager befreit hätten, sagt eine von ihnen im Film, und sie zum Tor hinauswiesen, sie seien nun frei und könnten gehen, hätte sich niemand getraut, auch nur einen Fuß in Richtung jenes Tores zu setzen, durch das monate- und jahrelang nur Juden herein gekommen waren, aber nie einer lebend heraus. “Der Antisemitismus ist auch heute noch ein aktuelles Thema, leider, in Deutschland und in anderen Teilen der Welt”, pflichtet Jan Freigang, Referent für Politik der Deutschen Botschaft Buenos Aires, der Direktorin in seiner Ansprache bei. Er richtet allen Anwesenden die Grüße des neuen deutschen Botschafters in Argentinien, Günter Kniess, aus. In Anbetracht der Vergangenheit bestehe insbesondere für alle Deutschen die besondere Verantwortung, die Erinnerung zu bewahren, den Dialog zu suchen und ihre Stimme zu erheben gegen jede Form der Diskriminierung, der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus.
In Bariloche sehen an diesem Tag über 1000 Schüler nahezu aller staatlichen und privaten Schulen die Vorführungen um 9 Uhr und um 14 Uhr, anwesend sind die staatlichen Schulen CEM 37, 77, 97, 99, 104, 138 und wahrscheinlich noch viele mehr, des Weiteren die Privatschulen Antú Ruca, Castex, Don Bosco, San Esteban und die italienische und englische Privatschule Dante Alighieri und Woodville. Eröffnet werden die Filmvorführungen von der Direktorin des Holocaust-Museums Buenos Aires, dem Referenten für Politik der Deutschen Botschaft Buenos Aires, dem israelischen Honorarkonsul für Río Negro, Neuquén Chubut und Santa Cruz, Hernando Grosbaum und dem deutschen Honorarkonsul von Bariloche, Gerardo Borchert. Auf der Tagesordnung stehen außerdem Workshops und Fortbildungen am Institut für Lehrerbildung und der Universität Comahue, an der 200 Lehrer und Studenten teilnehmen, gehalten von der Direktorin des Holocaust-Museums, dem Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften, Pedro Barreiro, und der Koordinatorin der Geschichtsabteilung, Laura Méndez. Für alle Schüler und Lehrer der Sekundarschulen gibt es außerdem Begleitmaterial, um das Thema Holocaust im Unterricht vertiefen zu können. Dass hierzu Bedarf besteht, zeigen nicht nur die vielen Schülerinnen und Schüler, die nach der Filmvorführung im Kinosaal sitzen bleiben, um mit der Direktorin des Holocaust-Museums über das Gesehene und das Geschehene sprechen zu können. Julio Accavallo, Leiter des INADI Río Negro, unterstreicht noch eimal die Aktualität der Thematik: “Das große Publikum an diesem Tag zeigt die Notwendigkeit, dass sich die Gesellschaft der geschehenen Völkermorde immer wieder erinnert und sich ins Bewusstsein ruft, dass sie auch heute noch stattfinden, wie der aktuelle Fall von Morden an Bauern im Nachbarland Bolivien zeigt.”
Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass in der Auflistung der Schulen das Instituto Primo Capraro, die Deutsche Schule Bariloche, fehlt. Von der Schulleitung oder dem Schulvorstand war bisher keine offizielle Begründung zu erfahren, warum keine Klassen an den Filmvorführungen teilnahmen. Verschiedenen Institutionen gegenüber hieß es, die Vorbereitungszeit sei zu kurz gewesen, oder man fühle sich nicht ein- sondern vorgeladen und stigmatisiert, als sei man als Deutsche Schule immerzu verpflichtet, an solchen Aktionen teilzunehmen. Dem deutschen Botschaftsreferenten gegenüber äußerten Mitglieder der Schulleitung und des Vorstandes, dass man den Film und die Materialien vorher nicht habe sehen können, sinngemäß wurde argumentiert, dass man seiner pädagogischen Verantwortung entsprechend die Schüler keinem unbesichtigten Material aussetzen wollte. Übrigens: Die Schulleitung war wie alle anderen Schulen vier Wochen vorher eingeladen worden, an den Koordinationstreffen und Filmsichtungen teilzunehmen und mitzuwirken. Außer bei einer Sitzung nahm die Schulleitung an keinem weiteren Treffen teil.
Die Ausgabe 1/2008 der Zeitschrift UNESCO heute befasst sich mit dem Thema “Wissen im Web”. Auf den ersten Blick sind wirklich interessante Artikel dabei, etwa “Informelles Lernen im Internet” oder “Medienkompetenz als lebenslange Herausforderung”. Alle Artikel können im Volltext als PDF herunter geladen werden.
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